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Ökostrom – oder Strom zu Gold?

Grüne Energie

Im folgenden Beitrag werden sich einige Gedanken und Überlegungen zum Thema Ökostrom finden. Diese Formulierungen eignen sich am besten für den Ansatz zu einem Blogartikel oder als Grundlage für Ausführungen in längeren Texten. Sie stellen jedoch keine wissenschaftliche Textgrundlage dar – auf Literaturverweise wurde größtenteils verzichtet. Einige lohnenswerte Blogeinträge und Links folgen jedoch am Ende des Textes in einer eigenen Literaturliste.

Viel Spaß beim Lesen und bitte: Bewerten nicht vergessen!

Das Land des goldenen Lichtes.

Wer aktuell mit dem Zug, dem Fernbus oder dem eigenen Auto durch das südliche Spanien fährt, der erlebt im wahrsten Sinne des Wortes sein blaues Wunder: Bei fast 50 Grad im Schatten war der Sommer 2016 einer der heißesten seit langer Zeit und die regenarmen Wochen ließen die großen Ströme, wie etwa den mächtigen Guadalquivir zu kleinen Rinnsalen werden. Obwohl bei strahlendem Sonnenschein somit zwar ein Problem für die Landwirtschaft entstand, freuten sich jedoch jene wenigen Hausbesitzer, die eine Solarplatte auf dem Dach hatten – Bare Münze, so will man meinen.

Seltsamerweise ist der Anblick einer Finca – so der Name für einen spanischen Hof – oder eines einzelnen Stadthauses mit Solarplatte jedoch relativ selten. Ja im Grunde erblickt man viel häufiger ein einsames Windrad oder kleine Windparks auf den Anhöhen der südspanischen Berge, als die Sonnenstrom verwertenden Platten.
Des Rätsels Lösung ist recht einfach: Die Anschaffung einer Solarplatte kostet Geld, und zwar mehr, als die meisten Spanier entbehren können. Somit gäbe es zwar die Chance auf einen kleinen Groschen nebenbei – doch es ist wie immer, vor dem Erwerb von Geld ist Geld notwendig.

Ökostrom als Geldquelle für die, die schon Geld haben?

Das Dilemma mit dem Ökostrom zeigt sich leider auch an zahlreichen anderen Stellen. Betrachten wir den Abnehmer, also den Hausbesitzer oder den Betreiber einer Anlage, so ist es durchaus des Öfteren der Fall, dass höhere Kosten entrichtet werden müssen, als bei „Normalstrom“. Dies ist jedoch relativ stark im Schwanken und in einigen Kommunen und Regionen liegen die Preise für Strom aus erneuerbaren Energiequellen sogar unter dem für Strom aus Kohle- oder Gaskraftwerken (Vgl. Artikel Test.de). Allerdings muss auch hier vorsichtig gerechnet werden, denn mit Hilfe internationaler Zertifizierungsmöglichkeiten labeln manche Anbieter ihren billigen Atomstrom zu Ökostrom um und verzerren dadurch die Statistik.
Bei der Erzeugung aber findet sich das volle Dilemma: Wer selbst in die Produktion von Ökostrom einsteigen möchte, benötigt nicht nur einen Platz, der für die Produktion geeignet ist, sondern auch die entsprechende Strominfrastruktur. So hallt etwa seit langen Jahren bereits das Phänomen durch die Presse, dass deutsche Offshoreanlagen durch die erzeugte Windenergie massive Überleistungen produzieren, oder dass Norwegen Wasserkraft zu günstigen Preisen abgegeben würde – gäbe es nur eben ausreichend Überlandleitungen. Das sogenannte „Grüne Kabel“ wird dies womöglich bald ermöglichen (Vgl. Literatur Beitrag Wirtschaftswoche). Nichtsdestotrotz kostet eine Produktion massiv Geld, und dieses Geld kann kaum von Privatanbietern gewährleistet werden. Miniaturlösungen, etwa Balkonwindräder, sind seit Jahren geplant, doch auch hier stellt sich das Dilemma ein, dass kaum ein Förderer daran interessiert ist, dass der „kleine Mann“ seinen Strom selbst produziert (Vgl. Artikel cleanenergy zum Greenerator). Eine Unabhängigkeit von fremdem Strom bleibt also reine Illusion, und auch wer selbst den Aufstieg zum Solarplattenbesitzer geschafft hat, zahlt nachts für fremde Energie.

Bleibt Ökostrom somit ein Traum?

Der Trend, sich gegen Atomenergie und gezielt für die Etablierung von alternativen Energiequellen zu entscheiden, stammt noch aus der Zeit der mahnenden Schrecken von atomaren Energieformen. Auch in der heutigen Epoche, in der die zunehmende Belastung durch CO2 und andere Gase unser Ökosystem schädigt und die Erderwärmung gerade in Regionen wie Südspanien zu bemerken ist, scheint der Übergang zu einer Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen unumgänglich und im Grunde absolut alternativlos. Allerdings ist Ökostrom zugleich mit Kosten verbunden – und zwar nicht nur mit Kosten für den Geldbeutel: Bei der Herstellung von Solaranlagen werden seltene Erden verwendet, Offshoreanlagen bedrohen Fischgründe und töten tausende Seevögel, Wasserkraftwerke und Staudämme zerstören Ökosysteme und verändern langfristig den Wasserhaushalt ganzer Regionen. Ökostrom ist, so seltsam es klingen mag, trotz allem ein weiterer Schritt auf dem Weg der Schädigung und Veränderung des Planeten. Der zunehmende Marktanteil, in Deutschland derzeit 31 Prozent (Vgl. Wikipedia) deutet jedoch an, dass immerhin dieser Schritt von einer zunehmenden Anzahl an Menschen in den wirtschaftlich starken Regionen der Welt gewählt wird. Vielleicht mag es ein Versuch sein, das eigene ökologische Gewissen zu beruhigen – vielleicht wird eines Tages eine verbesserte Marktsituation preis und Effektivität der Anlagen so erhöhen, dass wir tatsächlich etwas für unseren Planeten tun können. Doch fakt ist: Im Moment ist Ökostrom ein Verfahren, dass vor allem den wirtschaftlich besser gestellten Menschen ein zusätzliches Einkommen sichert –und alle jenen, die lediglich auf ihre Existenzsicherung beschränkt sind, wie ein ferner Traum von grünen Oasen erscheinen muss, eine Fata Morgana der westlichen Wohlstandskultur.
Literatur:

Test.de > Link: https://www.test.de/Oekostrom-Wechsel-auf-gruen-4215250-0/

Wirtschaftswoche > Link: http://www.wiwo.de/technologie/green/tech/energieaustausch-gruenes-kabel-verbindet-deutschland-und-norwegen/14601976.html

Clearenergy > Link: http://www.cleanenergy-project.de/cleantech/3196-alternative-energie-vom-balkon-der-greenerator

Wikipedia > Link: https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96kostrom